Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen-Neubauamt Helmstedt

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Inhalt: Ökologische Durchgängigkeit an Bundeswasserstraßen

Seit dem Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wird dem ökologischen Zustand von Gewässern in Europa eine stärkere Bedeutung zuerkannt. Lag anfänglich der Fokus auf der Verbesserung der Wasserqualität (chemisch und physikalisch-chemisch, wie bspw. Nährstoffverhältnisse, Versauerungszustand, Verschmutzung durch in das Gewässer eingeleitete Stoffe), so gilt es nun die hydromorphologischen Komponenten unserer Gewässer zu verbessern (z.B. Struktur und Substrat des Flussbettes). Ein guter Zustand dieser Merkmale ist entscheidend für die Funktionsfähigkeit des mit dem Gewässer in Verbindung stehenden aquatischen Ökosystems. In diesem Zuge ist die Erhaltung und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Systems "Fluss" ein wichtiger Bestandteil bei der Zielerreichung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).

Infolge der Integrierung der WRRL in deutsches Recht durch die Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) im Jahre 2010 hat auch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) die gesetzliche Verantwortung für dieses Vorhaben übernommen. Die WSV ist somit angehalten, die auf- und abwärts gerichtete Durchgängigkeit an den von ihr errichteten und betriebenen Stauanlagen der Bundeswasserstraßen für wandernde aquatische Organismen, wie Fische und benthische wirbellose Kleintiere (Makrozoobenthos), zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Für viele heimische Fischarten sind Wanderungen zwischen unterschiedlichen Lebensräumen (Laich-, Nahrungs- und Winterhabitate) eine wesentliche Voraussetzungen für die erfolgreiche und nachhaltige Entwicklung von lebensfähigen und gewässertypspezifischen Populationen.

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Rotaugen-Brasse
Rotaugen (links) und Brasse (rechts) im Fischcounter der BfG in Koblenz

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Um diese Wanderungen sicherzustellen, ist der Bau geeigneter und funktionsfähiger Fischwanderhilfen an Standorten, die nach derzeitigen Erkenntnissen aus fischökologischer Sicht nicht ausreichend durchgängig sind, erforderlich. Dabei sind neben baulichen Anforderungen eine Vielzahl an hydraulischen und fischökologischen Anforderungen zu beachten, da Fischaufstiegs- bzw. -abstiegsanlagen für unterschiedliche Fischarten in hinreichender Anzahl auffindbar und passierbar sein müssen. Für diese komplexen Aufgabenstellungen stehen dem WNA Helmstedt die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) beratend zur Seite, sodass die Realisierung der Fischwanderhilfen nach dem neuesten Stand der Technik erfolgen kann.

Im Jahr 2012 wurde ein bundesweites Priorisierungskonzept "Erhaltung und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen" eingeführt, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), gemeinsam mit der WSV, der BAW und der BfG aufgestellt wurde. In diesem Konzept sind 250 Standorte mit Handlungsbedarf in Bezug auf die flussaufwärtsgerichtete Fischdurchgängigkeit priorisiert. Darunter befinden sich sieben Staustufen, die als Pilotstandorte deklariert und hoch priorisiert wurden. In enger Zusammenarbeit mit der BfG und BAW sollen an den hier errichteten bzw. zu errichtenden Fischaufstiegsanlagen (FAA) verschiedene Hypothesen aus Literaturstudien und Laboruntersuchungen zur ökologischen Durchgängigkeit an Bundeswasserstraßen untersucht werden.

Das Wasserstraßen-Neubauamt Helmstedt (WNA) wurde mit der Planung und Durchführung von insgesamt 30 Baumaßnahmen zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den Bundeswasserstraßen Weser, Aller, Leine, Fulda und Werra beauftragt. Federführend erfolgt die Bearbeitung hierzu im Sachbereich 3.

Die an der Mittelweser gelegene Staustufe Dörverden stellt als Pilotstandort das erste Projekt des WNA Helmstedt zum Thema ökologische Durchgängigkeit dar. Sukzessive erfolgt dann die Bearbeitung weiterer dem WNA Helmstedt zugeordneter Standorte.

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Projektstruktur
Projektstruktur der ökologischen Durchgängigkeit im WNA Helmstedt

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Weser
Lage der Staustufen an Weser, Aller, Leine, Fulda und Werra

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Staustufen an der Mittelweser

Standort Dörverden

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Staustufe
Blick auf die Staustufe Dörverden (v.l.n.r.: Wasserkraftanlage, Prahmschleuse, Wehr)

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Lage :
Die Staustufe Dörverden der Ortschaft Dörverden in Niedersachsen ist Teil der siebenteiligen Staustufenkette an der Mittelweser und befindet sich auf Höhe Weser-km 308,832.


Bauwerke :
Die Staustufe besteht aus einem Wehr am linksseitigen Ufer (in Fließrichtung gesehen), einer sich nicht mehr in Betrieb befindlichen Prahmschleuse ungefähr in Flussmitte und einer Wasserkraftanlage am rechten Ufer. Der am linksseitigen Ufer vorhandene Tümpelpass stammt aus dem Jahre 1934 und wurde bezüglich seiner technischen Funktionsfähigkeit als stark beeinträchtigt eingestuft .


Status :
Als Pilotstandort sind nach Beendigung der Baumaßnahme Untersuchungen zur Auffindbarkeit und Passierbarkeit von Fischaufstiegsanlagen geplant (Lage des Einstieges, Untersuchungen zu Dotationswassermengen).


Planung :
An der Staustufe Dörverden soll ein Schlitzbeckenpass innerhalb der vorhandenen Prahmschleuse realisiert werden. Über ein großes Einstiegsbecken können Fische und Makrozoobenthos hier von Unterwasser nach Oberwasser aufsteigen. Ein zusätzlicher Einstieg ist am rechtsseitigen Ufer vorgesehen (Ufereinstiegsblock). Dieser ist ebenfalls als Schlitzpass konstruiert und über einen Verbindungskanal (Sammelgalerie) mit der FAA in der Prahmschleuse verbunden.


Bemessungsrelevante Fischarten :
Brachse, Hecht, Lachs, Quappe, Meerforelle


Planer :
Björnsen Beratende Ingenieure GmbH und BWS GmbH (Arbeitsgemeinschaft)


Baubeginn :
voraussichtlich 2020

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Standorte Schlüsselburg, Langwedel und Petershagen

Die ebenfalls an der Weser gelegenen Staustufen Schlüsselburg, Langwedel und Petershabgen weisen bereits Fischwanderhilfen auf, die jedoch in ihrer technischen Funktionsfähigkeit als stark beeinträchtigt eingeschätzt wurden. Geplant sind daher jeweils eine FAA unter Berücksichtigung des aktuellen Stands der Technik.

Links :

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
www.bmvi.de/Broschüre "Bundeswasserstraßen: Freie Fahrt auch für Fische"

Bundesanstalt für Gewässerkunde
www.bafg.de/Ökologische Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen

Bundesanstalt für Wasserbau
www.baw.de/Ökologische Durchgängigkeit_-_Aufgabenstellung